| Bei einer einfachen Familie |
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| Geschrieben von Stefan Möller | |
| Monday, 18. December 2006 | |
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Kurz hinter Kehrameh, wir hatten gerade einen etwas laestigen Motorradfahrer abgeschuettelt, der neben uns fuhr und, nachdem er uns die richtige Strasse gezeigt hatte, immer wieder etwas von Geld und Dollars erzaehlte, hielt mal wieder ein Auto vor uns und ein Mann stieg aus und fragte uns, wo wir hin wollten und lud uns zu sich ein. Im Auto sahsen noch eine Frau und ein Kind, eigentlich das beste Zeichen, der Einladung bedenkenlos zu folgen. Wir sagten, dass wir noch 10 km fahren wollten, denn wir wollten eigentlich diese Nacht alleine sein und zelten. Wir fuhren weiter aber ueberall waren Haeuser und Gehoefte und nirgends fand sich ein abgeschiedener Platz. 10 km waren bald gefahren und es daemmerte und wurde kalt. Doris viel zuerst auf, dass der weisse Wagen weit vor uns im Schritttempo fuhr und wir dachten dann schon, vielleicht werden wir ja noch mal eingeladen. Und tatsaechlich, irgendwann hatten wir den Wagen eingeholt und der Mann deutete auf ein Haus, meinte hier wuerde er wohnen und lud uns noch mal ein. Da wollten wir nicht mehr Nein sagen und nahmen dankend an. Die iranischen Haueser sind meist umgeben mit einer hohen Mauer, denn der Hof zaehlt mit zum Privatbereich, der ja im Iran sehr wichtig ist. Wir wurden in das einfache Haus gebeten und in ein Zimmer gefuehrt, in dem ausser Teppichen und Kissen nichts wieter war. Als erstes wurde ein Petroliumheizgeraet angeworfen und wir konnten uns aufwaermen.
Wir liessen uns auf den Kissen nieder und harrten der Dinge, der kleine Sohn (10) leistete uns Gesellschaft und ich knippste ein paar Bilder und zeigte sie ihm. Dann kam der erste Tee und wir plauderten ein bisschen mit der Familie. Das Plaudern war nicht einfach, denn Englisch konnte keiner aber wir konnen ja schon einige Woerter Farsi und so haben wir einiges erfahren. Der Mann ist Frisoer, die Frau Hausfrau, eine 14jaehrige Tochter und der Sohn gehen zur Schule und die kleine Tochter(5) ist noch zu Hause. Dann gab es Abendessen, welches vor uns aufgebaut wurde und dann wurden wir alleine gelassen. Das hatten wir auch noch nicht erlebt, fanden wir aber sehr angenehm. Es gab Hammelfleisch mit Fladenbrot, einer Schale Joghurt und Zwiebeln, ein typisches iranisches Essen. Die Familie war nicht sehr reich und wir fragten uns, was die anderen jetzt wohl zu Abend essen, war das Hammelfleisch nur fuer uns Gaeste?
Danach gab es wieder Tee, wir waren satt und es war kuschelig warm. Wir haben alle zusammengesessen und uns mit Haenden und Fuessen unterhalten. Die aeltere Tochter will Schneiderin werden und hat das huebsche Kleid der kleinen Tochter selbst genaeht. Sie ist auch schon verlobt und hat uns stolz das Bild ihres Verlobten gezeigt, der allerdings noch 2 Jahre bei der Armee ist. Wir wissen nicht, ob es eine von den Eltern arrangierte Beziehung war, wie es im Iran besonders in den Doerfern noch oft ueblich ist, haben aber das Leuchten in den Augen der Tochter gesehen, das hat uns beruhigt. Doris zeigte unser Fotoalbum, welches wir fuer solche Faelle dabei haben und seit Shiraz haben wir auch immer ein Bild von uns, welches wir verschenken. Auch das Bilderwoerterbuch sorgte fuer Erheiterung. ![]() Innen Lehmputz mit Stroh vermischt Wir haben gebeten, das Haus anzuschauen und konnten einmal in die anderen Zimmer schauen. Das Haus ist geraumig (3 Zimmer, Flur und Kueche) aber die Zimmer waren fast leer. In der Stube lagen Teppiche (wie ueberall) und bis auf ein kleines Schraenkchen mit Fernseher und Stereoanlage war nichts weiter im Raum, auch die Kueche hatte nur einen Herd und einen Kuehlschrank. Scheinbar hat die Familie nichts weiter, das Leben spielt sich ja traditionell sowieso auf dem Teppisch ab. Im dritten Zimmer lagen viele Kissen und Decken fuer die Nacht. Uns viel auch auf, dass wir wahrscheimlich das einzige Heizgeraet im Hause bekommen hatten. Die Wohnung war trotz der Kargheit sehr ordentlich und sauber und auch unsere Gastfamilie war sehr schoen angezogen (im Gegensatz zu meinen dreckigen und loechrigen Klamotten).
Am naechsten Morgen machen wir uns nach einem leckeren Fruehstueck mit Ruehrei und Fladenbrot auf, wieder mit dem Gefuehl nichts recht zurueckgeben zu koennen fuer diese ueberwaeltigende Gastfreundschaft. Zwar haben wir die Familie eingeladen auch einmal unsere Gaeste zu sein, aber wir wissen, dass sie es sich wohl nie werden leisten koennen nach Deutschland zu reisen.
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| Letzte Aktualisierung ( Monday, 18. December 2006 ) |
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