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Thomas (TBeu) war mit unserer Zwischenbilanz nicht zufrieden, die zugegeben auch etwas kurz ausgefallen war. Deshalb hat er uns eine Liste von Fragen geschickt - eine prima Idee - die wir hiermit beantworten wollen.
TBeu: Wem habt ihr eigentlich den ersten Teil eurer Reise gewidmet? Doris: Den ersten Teil haben wir niemand gewidmet. Wenn ein lieber Mensch uns fuer immer verlaesst, ist es schoen, ihm eine Widmung zu geben. So haben wir den zweiten Teil unserer Reise unserer Omi gewidmet. TBeu: Vermisst ihr die Heimat? Leute, Familie, Kneipen, Winter? Ein 'Nein' akzeptiere ich durchaus. Doris: So einfach kann man das nicht beantworten, klar vermisst man mal was, ich vermisse manchmal Freunde und Familie, natuerlich habe ich meine Omi vermisst (es ist nun mal nicht einfach eine 94 jaehrige Omi 1 Jahr zu verabschieden) ja und des oefteren denke ich doch auch gern an heimisches Essen (Saure Eier, Spinat, Mettwurstschnitte...), nicht dass das Essen hier nicht fein waere, aber eben anders. Stefan: Ja mit dem Essen, das kann ich bestaetigen, manchmal kann Doris garnicht wieder aufhoeren von leckeren Speisen zu schwaermen. Tja, wenn man so lange unterwegs ist, vermisst man schon einiges. Es gibt so Phasen, da denkt man viel an Zuhause. Aber die Phasen sind kurz, normalerweise sind wir mit den Tageseindruecken beschaeftigt und da gibt es auf Reisen ja viele. Aber mal wieder ein Sonntagsbesuch bei den Eltern oder ein gemuetlicher Abend mit den Freunden, wer wuerde das nicht vermissen. Auch die Arbeit am Computer vermisse ich hin und wieder.
TBeu: Was sind eure Ziele im Zielland Indien. Dehli, Bombay oder weiter nach SO-Asien?
Doris: Amritsar, dann zum Dalai Lama, Dehli, Agra, dann in den Westen, Mumbei und eventuell bis in den Sueden und mit dem Zug nach Kolkatta, danach Nepal mit Christel und Hartmut. Stefan: Und uns mit dem Fahrrad im Himalaya auf ueber 5000 Meter zu schwingen, schwebte mir so vor. Allerdings kann es sein, dass wir das streichen muessen - diesmal. Wir denken schon nach, wohin es die restliche Zeit gehen soll aber das ist noch nicht spruchreif - und auch noch zu lange hin um sich schon festzulegen.
TBeu: Habt ihr eure Abenteuer-Erlebnisse irgendwie auch so erwartet? Ist alles überraschend anders?
Doris: Erwartungen hatten wir keine, es kommt wie es kommt und das ist auch am besten so, manchmal hatten wir schon gedacht, wie erstaunlich gut das alles laeuft, mit uns, den Visa..., aber es gibt auch immer wieder mal Tage wo es ganz schoen an die Grenzen geht, da gibt es dann viel zu viel zu verarbeiten, viel zu viele Eindruecke... und auch der Verkehr in Lahore macht einen ganz schoen platt! Stefan: Doch eigentlich hatten wir uns das schon so aehnlich vorgestellt (wir hatten ja einige andere Reisende schon ausgefragt). Die erstaunliche Erkenntnis ist, dass vieles viel einfacher oder problemloser ging als ich mir das vorgestellt habe. Zum Beispiel hatte ich Bedenken, hier in den Laendern so im Zentrum des Interesses zu stehen und oft von Leuten beobachtet, umringt oder angesprochen zu werden. Ich stehe nicht gerne im Rampenlicht. Aber man gewoehnt sich daran, es ist manchmal nervig aber kein Problem. Ich hatte Bedenken wegen Krankheiten und kriminellen Menschen aber wir hatten noch nichts ernstes und die boesen Menschen haben wir auch noch nicht gefunden - dafuer aber viele gutherzige. Die Laender Iran und Pakistan waren schon eine Ueberraschung. Ich glaube dafuer bekommt man zu Hause kein Gefuehl, das muss man einfach mal erlebt haben. TBeu: Hat sich die Unterstützung des Schulprojekts in Pakistan konkretisiert?
Doris: Ja, Stefan hat schon ein neues Konto angelegt, der Rest kommt spaeter auf unserer Homepage, wenn alles soweit fertig ist. TBeu: Vermisst ihr ein zu Hause? Oder seid ihr geborene Nomaden?
Doris: Im Iran habe ich manchmal gedacht, weil die Leute immer so herzlich zu uns waren, es ist wie zu Hause, man hat ueberall Freunde und steht nicht alleine da, auch in Pakistan sind sie alle freundlich, aber eben anders, aber gerade gestern waren wir wieder eingeladen, bei einem Landlord und seiner Familie und da war es wieder fast wie zu Hause, aber wir freuen uns glaub ich beide wieder in einem Jahr zu Hause zu sein und etwas entspannen zu koennen. Stefan: Reisen ist schoen aber ich bin definitiv kein Langzeitreisender (1 Jahr ist genug). TBeu: Was macht ihr mit Souvenirs?
Doris: Eigene haben wir nicht viele :o), ein wenig haben meine Eltern mit nach Hause genommen, in Pakistan haben wir 1 Paket mit dem Schiff losgeschickt (soll in 3 Monaten da sein), aber bestimmt sind 80% der Souveniers Geschenke von den Leuten. TBeu: Habt ihr manchmal Gewissenskonflikte, der permanenten Gastfreundschaft nicht genügend erwidern zu können?
Doris: Es ist nicht immer leicht gewesen, aber wir sagen uns, wir geben den Leuten auch viel, indem sie sich geehrt fuehlen uns als Gaeste aufnehmen zu koennen und das ist wirklich so, wir spueren ihre Freude und wie sie sich bei uns bedanken, also nehmen wir das Geschenk dankend an. Stefan: Komisch ist es immer noch aber wir haben gelernt, dankend anzunehmen. Zwar haben wir unzaehlige Gegeneinladungen ausgesprochen aber die Menschen hier werden es sich wohl nicht leisten koennen, nach Deutschland zu kommen. Bleibt der gute Vorsatz, in Deutschland gegenueber Fremden auch aufgeschlossener zu sein. TBeu: Wollt ihr jemals zurück?
Doris: Klar im August 2007, hast du dran gezweifelt? So wie wir jetzt reisen, koennte ich keine 5 jahre, da braeuchte ich mehr Pausen, um das Erlebte zu verdauen. Stefan: Das steht ausser Frage! TBeu: Wenn ja, könnt ihr euch ein Leben in westlicher Zivilisation wieder vorstellen?
Doris: Sicherlich, aber wie das besonders am Anfang aussehen wird, weis ich nicht, an vieles wird man sich schnell gewoehnen (feine Dusche...), aber die Menschlichkeit, Freundlichkeit, weis nicht, die wird man wohl vermissen. Stefan: Je laenger wir durch die verschiedensten Laender reisen, umso mehr merken wir auch, wieviel wir in Deutschland eigentlich schon erreicht haben. Das wir einen sekulaeren Staat haben (Trennung von Staat und Religion), eine transparente Demokratie, die trotz aller Ecken und Kanten im Vergleich zu anderen Staaten hier in Asien sehr gut funktioniert, ein Sozialsystem von dem viele hier nur traeumen, dass wir im Umweltschutz viel erreicht haben, dafuer liebe ich Deutschland. Leben moechte ich in keinem anderen Land. Leuten die in Deutschland ueber viele Sachen schimpfen kann ich solch eine Reise nur empfehlen.
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