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China PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Doris Burk   
Thursday, 19. July 2007

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China - ein riesiges Land mit 1.3 Milliarden Einwohnern. Lange habe ich über das Land nachgedacht. Es fällt mir schwer mir darüber eine Meinung zu bilden. Die Unterschiede sind zu gravierend. Da sind die Tibeter auf dem Dach der Welt - ihre Kultur, ihr Aussehen, ihre Religion und ihre Charaktere haben mit dem restlichen China wohl nur wenig zu tun. Chengdu unsere erste chinesische Millionenstadt hat uns begeistert. Wir staunten über den Wohlstand, die Sauberkeit, den Fortschritt. Die Bettler konnte man an einer Hand abzählen, Papier suchte man vergebens auf der Straße. Diese waren alle neu asphaltiert und boten breite Randstreifen für Radfahrer. Ampeln regelten den Verkehr. Die Autos waren neu und groß und glänzten. Hupen wurden nur selten benutzt. Chengdu - eine moderne Großstadt. Wunderschön angelegte Parks und Grünanlagen bereichern das Leben in dieser Stadt und machen es lebenswert. Die Zugfahrt von Chengdu nach Beijing war luxuriös, obwohl wir Mittelklasse gebucht hatten. Nach zwei Nächten im Zug erreichten wir Beijing. Keine dicken Smogwolken empfangen uns, sondern moderne Hochhäuser, Grünflächen, breite übersichtliche Straßen. Wir rollen mit einer riesigen Traube anderer Radler im Verkehrsstrom auf großzügigen Radstreifen durch die Stadt. Supermärkte, Einkaufsstraßen, moderne Kaufhäuser sind nichts Neues und findet man genauso häufig wie öffentlich, saubere, kostenlose Toiletten. Auch hier staunen wir über den Fortschritt und was unsere Augen sehen erfreut unser Herz. Wir sehen keine verstümmelten Bettler auf Rollbrettern die Straßen entlang rollen, keine verlausten Kinder, die ihre Hände zu uns ausstrecken um etwas Essbares zu bekommen und kein Smog oder Staub lässt uns ersticken, so wie wir es schon in anderen Städten Asiens erlebten. Wir sehen, dass der Müll teilweise sortiert wird, im Hostel gibt es eine Box für gebrauchte Batterien und auf Plastikflaschen gibt es Pfand. Dennoch erschrecken wir immer wieder über den Verpackungsmüll. Kekse, die dreimal in Plastik gehüllt sind; Milchpulver welches in zwei Tüten verpackt ist...

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Nach unserem Antrag auf das Russlandvisum radelten wir Richtung Mongolei. Wir haben keine Pässe dabei nur die Kopien. An der Großen Mauer geht es vorbei in Richtung chinesischer Mongolei. Und hier tauchen wir ein in ein China, was wir bisher nicht kannten. Mehr als 40 km radelten wir durch Kohleabbaugebiete und sehen am Abend schwarz wie die Raben aus. Mein Erkältungshusten verstärkt sich und unser Haut beginnt zu jucken. Ich bekomme Ausschlag. Die Sonne scheint kräftig und unser Schweiß vermischt sich mit Allerlei Schmutz, Ruß und Dreck aus der Luft.

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Die Menschen klotzen uns an. Einige von ihnen haben noch keine Radler wie uns gesehen, so scheint es mir. Trotzdem werden wir immer wieder freundlich empfangen. Ausgelacht werden wir auch, immer und immer wieder. Wir radeln in eine kleinere Stadt. Von hier will Stefan mit dem Bus nach Beijing fahren und unsere Pässe holen. Ich bleibe bei unserem Gepäck im Hotel. Schon als wir die Busstation suchten wunderte ich mich über die Menschen. Sie starrten einen regelrecht an, lümmelten sich auf unsere Räder, um sich's beim Beobachten gemütlich zu machen. Als Stefan dann auf Hotelsuche ging und ich allein mit den Rädern wartete, kam ich mir vor wie im Zoo. Obwohl wir schon einiges gewohnt waren und die Menschenmassen, die uns besonders in Indien anstarrten, händeln konnten, war das hier anders. Sie starrten, niemand redete, ab und zu lachten sie und immer wieder hielten neue Menschen -eine riesige Traube stand um mich herum und manchmal hatte ich das Gefühl, manche wussten gar nicht, warum sie mitschauten. Sie machten ihren Mitmenschen alles nach.

Wir fanden ein Hotel und checkten ein - unsere Ruhe sollten wir deswegen noch lange nicht haben. Spät Abends (ich frage mich immer wieder warum jedes mal spät Abends) klopfte es an unserer Tür. Ein Mann stand vor der Tür und schaute nur, zeigte rein. Wir fragten, was das Problem sei und er schloss die Tür. Ich wusste, er würde wiederkommen. Und nach einer ganzen Weile klopfte es erneut und 3 Polizisten in Uniform und 3 in Zivil, darunter auch der Mann, traten ein und zeigten kurz einen ihrer Dienstausweise. 

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Sie fühlten sich gleich wie zu Hause, setzten sich auf unsere Betten, schmissen später eine Runde Limonade und einer machte den Fernseher an. Das sie auch rauchen wollten in unserem Hotelzimmer verbot Stefan. Nun wollten sie die Pässe sehen und fragten uns aus, immer wieder die gleichen Fragen, bei den Antworten hörten sie nicht zu. Woher wir kommen, aus Deutschland. Er wurde lauter, Wo wir herkommen. Es nervte. Ich versuchte abzuschalten, sie alle sechs zu ignorieren, schließlich hatte ich das schon bei den kläffenden Hunden in Kurdistan gelernt. Und es funktionierte. Stefan redete, oft war lange Pause und sie unterhielten sich in chinesisch. Ich starrte die weiße Wand an. Was sollte denn dieser Aufstand. Wir könnten hier nicht schlafen, das Hotel ist nicht für Ausländer. Wir warteten das ganze einfach ab. Immer wieder klingelte bei ihnen das Telefon. Komischerweise gingen auch immer mal welche aus unserem Zimmer heraus. Ich hatte das Gefühl, sie rufen sich gegenseitig an. Nach einer Weile wünschten sie uns eine Gute Nacht und gingen.

Nun fuhr Stefan nach Beijing, in einem illegalen Bus, was er erst später erfuhr.  7.00 Uhr klopfte es an der Tür.  Das war klar, ich wollte heute ausschlafen und nun kamen die wieder. Eine Frau öffnete, ich sah zwei Polizisten im Gang stehen. Ich bat um einen Moment, da ich noch meine Hose anziehen musste. Und als ich nach einigen Sekunden die Tür erneut öffnete waren sie verschwunden, den ganzen Tag meldete sich niemand bei mir. Ich dachte die Sache hätte sich erledigt. Dennoch traute ich mich erst nach dem Mittag ins Internetcafe. Wieder gaffte ein Mopedfahrer mich an, diesmal so doll, dass er einen Unfall baute. Im Internet war ich erst mal sicher. Spät Abends, dachte ich, die werden wohl nicht mehr kommen - bis es klopfte. Ich öffnete und diesmal kamen 2 Männer und eine Frau gleich mit Block hereingestürmt. Sie wollten ein Interview von mir. Na prima. Zum Glück sprach der Übersetzer gutes Englisch. Immer wieder die gleichen Fragen, woher ich komme, wo unsere Pässe sind. Sie wussten es schon längst. Warum wir ausgerechnet in dieser Stadt übernachten.... es hörte nicht auf. Sie machten mich mit jeder Frage immer fertiger und brachten mich innerlich langsam auf die Palme. Ich fand das ganze langsam lächerlich und bei genauen Erklärungen hörten sie nie hin. Der Protokollant notierte alles in chinesisch. Danach ging der Übersetzer das chinesische noch einmal mit mir durch. Immer wieder waren kleine Fehler eingebaut, die nicht mutwillig waren, aber daher rührten, dass sie nie richtig zuhörten und sich nur auf ihre endlos wiederholenden Fragen konzentrierten. Mir reichte es langsam. Am Ende sollte ich das chinesische Frage- und Antwortspiel unterschreiben. Ich tat es nicht. Wie konnte er verlangen, dass ich etwas unterschreibe, was ich nicht lesen konnte? Er gab sich zufrieden. Es war spät, ich war gereizt, dennoch, ich musste umziehen. Alle unsere neun Taschen packen und die Räder und dann wurde ich in ein neues Hotel verfrachtet. Ich bekam keine Antwort, warum sie nicht schon am Nachmittag gekommen sind und nicht erst so spät am Abend. Nun lag ich Abends im neuen Bett und hatte erst mal genug von China. Hier wurde mir deutlich, was es bedeutete, wenn die Chinesen immer alles auswendig lernen und nie die Zeit bekommen zum Nachdenken. Es könnte einem schon bange werden, wo es hinführen sollte, wenn den Menschen das Nachdenken nicht gestattet ist.

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Gefangen in China? Nein, unser Visa laeuft morgen aus.

Nun freute ich mich immer mehr auf die Mongolei, in der ich mich erst vor einem reichlichen Jahr so wohl fühlte.

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Morgen werden wir die Mongolei erreichen und in die Weite der Wüste Gobi eintauchen. Wodka, Schaffleisch, Ger (Jurten) und die lustigen und gastfreundlichen Mongolen gab es aber auch schon auf der chinesischen Seite der Mongolei.

 

 

Letzte Aktualisierung ( Monday, 17. September 2007 )
 
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