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Eine Welt und doch so verschieden aehnlich PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Doris Burk   
Saturday, 23. December 2006

Im Supermarkt gibt es Milch im Tetrapak, Nescafe, Erdbeermarmelade und Coca Cola, im Imbiss Hamburger und Salat. In Deutschland schreiben wir das Jahr 2006, hier im Iran 1385. Die Sterne am Himmel sind tausendmalmehr als bei uns und wunderschoen.

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Statt Kuhherden gibt es hier riesige Ziegen- und Schafherden ohne Zaeuhne. Mit ihren Schaefern und Hunden ziehen sie ueber Felder unendlicher Weite, gespickt mit Dornenbueschen ohne saftigem Gras. Waschmaschinen gibt es auch, aber wir sehen Nomadenfrauen in ihren bunten Kleidern am Fluss Waesche waschen.

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Riesige Bewaesserungsanlagen speisen grosse Felder fuer Weizen, Mais und Baumwolle - mitten in der Wueste. Unendliche Vierecke, von Arbeitern geschaufelt, akribisch genau - angelegt zur Bewaesserung. Wasser laeuft vom hoechstgelegenen bis zum tiefstgelegenem Viereck aus Erde. Anelegt ohne Software, ohne Taschenrechner, ohne Wasserwaage - wie das geschieht, fuer uns unvorstellbar, aber es funktioniert seit Jahrtausenden. Am Salzsee herrscht eine Ruhe, von der man in Deutschland nur traeumt. Der Salzsee, ein Wunder der Taeuschung - den Horizont sehe ich mehrmals, mit Spiegelungen, die ich schwer deuten kann. Eingemummelte Maenner, von denen man nur die Augen sieht, kommen auf den Mopeds vorbei. Mir kommt es vor, als saessen sie auf ihren Pferden, einhaendig wie elegante Cowboys galopieren sie stolz mit ihren Pferdetaschen an uns vorrueber. Wie elegant - zwischen Jugendlichen entsteht ein Wettspiel - wer faehrt am besten Moped. Spaeter profitieren sie davon, denn Mopedfahren koennen sie hier alle vom Feinsten.

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Wieder einmal heisst es fuer uns Abschied nehmen. Abschied von einer freundlichen Gastfamilie. Einer von vielen Abschieden. Wir schieben unsere Raeder die Schotterpiste hinauf und winken immer wieder. Noch lange sehen wir die Familie am Tor stehen.

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 Auf den Strassen hupende Autos und LKW's, die Ladung von A nach B karren, wie ueberall. Wieder eine Nacht im Zelt, wieder ein herrlicher Panoramablick auf die Berge und der Himmel mit unendlich vielen Sternen. Wir putzen unsere Zaehne und schauen dabei in tausende Sterne - was fuer eine Schoenheit. Der Tag wird Abends im Zelt zur Erinnerung gerufen, wenn wir fleissig an uneren Tagebuechern sitzen. Mitten in der Wueste, wir radelten gerade versunken in Gedanken, bekamen wir eine grosse Wassermelone geschenkt. Sie kam wie gerufen, Wasser und Mineralstoffe pur - gerade richtig zum Radeln. Immer wieder anerkennendes Hupen oder verbeugen auf dem Moped fuer unsere Leistung. Fuer uns ist das Radeln zur taeglichen Normalitaet geworden. 90 km ohne Dorf, ohne Abwechslung, nur Wueste - eine feine Strecke, fuer mich aber auch anstrengend. In Kerman schlendern wir ueber den Bazar - es schneit und so kommt es uns vor, als waere es unser Weihnachtsmarktbummel, dieses Jahr ein wenig anders, orientalischer, aber beeindruckend schoen.

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Weihnachten werden wir dieses Jahr in Bam feiern. Es stimmt uns nachdenklich, als wir durch die Strassen und Gassen laufen zum Internetcafe. Bam eine einzige Baustelle, vereinzelt sehen wir noch Zelte, Notzelte, die es zu Hauf kurz nach der Katastrophe hier gab. Am 26.12.2003 wurden 30 000 bis 60 000 Menschen unter den Truemmern ihrer Hauser verschuettet. Bam wurde von einem schlimmen Erdbeben heimgesucht, die kleine Stadt Bam, die 2004 kaum 100 000 Menschen zaehlte.

http://www.mebb.de/d_geschi/iran_bam2.htm

 Aber nach 3 Jahren gibt es auch Hoffnung und neue Lichtblicke. Ueberall wird gebaut und immer mehr werden Container von Haeusern abgeloest. In 6 Monaten zum Beispiel soll das neue Guest House fertiggestellt werden. Wir schlafen noch in Notunterkuenften aus Blech, die aber mit viel Liebe hergestellt wurden. Hier werden wir vielleicht bei Kartoffelsalat und Wuerstchen Weihnachten verbringen und am 26.12. mit einem englischen Radpaar nach Zahedan radeln.

Wir wuenschen euch allen schoene Weihnachtsfeiertage - hoffentlich auch mit Schnee und ein paar ruhigen besinnlichen Stunden im Kreise der Familie und Freunden.

Doris und Stefan

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Letzte Aktualisierung ( Saturday, 23. December 2006 )
 
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