| Iran - der Gottesstaat |
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| Geschrieben von Stefan Möller | |
| Tuesday, 28. November 2006 | |
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Nun sind wir schon einen knappen Monat im Iran und es wird Zeit fuer ein paar allgemeine Eindruecke zum Land. In den Medien hoert man ja gerade jetzt viel ueber den Iran, ist doch im Nuklearkonflikt noch keine Loesung in Sicht. So hat jeder ein Bild vom Land und auch ich hatte eines bevor wir hier ankamen. Einiges hatte ich mir ganz anders vorgestellt und war ziemlich ueberrascht. Zum Beispiel hatte ich nicht gedacht, ein so hoch entwickeltes Land vorzufinden. Ich dachte, der Iran ist ein ziemlich rueckstaendiges und armes Land. So sieht das hier aber garnicht aus. Die Staedte sind gut entwickelt und sehr westlich. Als Europaeer hat man hier keine Probleme, es gibt billige und teure Hotels, Restaurants aller Preisklassen (wir bevorzugen den preiswerten Typ Imbiss der sehr lecker ist) und gut ausgestattete Internetcafes. Ich hatte gelesen, dass es westliche Produkte nur auf dem Schwarzmarkt gibt. Ganz im Gegenteil sind die Strassen voll mit bunten Geschaeften, in denen man alles kaufen kann. Die Strassen sind (leider) auch voll mit modernen oder auch aelteren Automodellen aber keinem Schrott. Die Menschen sind sehr modern gekleidet soweit es die islam. Regeln erlauben (die Frauen tragen alle in der Oeffentlichkeit ein Kopftuch, wir haben nie eine Frau ohne gesehen, ausserdem tragen sie einen mind. 3/4 langen Mantel oder gleich einen Tschador, die Maenner tragen immer lange Hosen).
Der Lebensstandard scheint mir auch recht hoch, ich hatte erwartet viel Armut vorzufinden. Sicherlich gibt es zwischen Land- und Stadtbevoelkerung ein Gefaelle. Wir fuehlen uns hier im Iran sehr sicher. Ich hatte irgendwie gedacht, die Polizei sei vielleicht etwas willkuerlich und bestechlich. Die Polizei ist sehr gut ausgeruestet (teilweise neue Mercedes) und zu uns bisher sehr freundlich gewesen. Man kann sie auch jederzeit um Hilfe bitten, wenn man in der Stadt nicht weiter weiss. Schon zweimal haben wir aus dem Polizeiauto heraus ein paar Granataepfel geschenkt bekommen. Sicherlich sieht die Sache mit der Polizei anders aus, wenn man politisch oppositionell aktiv wird, wir kennen das ja aus der DDR. Aber das haben wir ja nicht im Sinn auf unserer Reise
Wir treffen immer wieder Leute, die ueber das System schimpfen. Das ist immer wieder sehr interessant und erinnert uns auch an die Verhaeltnisse in der DDR. Offene Kritik in dem Masse wie wir das kennen, ist hier nicht moeglich. Ein Englischstudent hat uns in einem Internetkaffee bestaetigt (wobei seine Stimme im Laufe der Diskussion immer leiser wurde), dass man ueber den Praesidenten oeffentlich schimpfen kann, das sei kein Problem. Ueber den geistigen Fuehrer, der ja den direkten Draht zu Allah hat, ist aber schwer, etwas zu sagen. Das wuerde ja einer Kritik an Allah gleichkommen. Und die Iraner sind sehr religioese Menschen, viel mehr zum Beispiel als die Deutschen. Immerhin ist der Islam auch Staatsreligion. Wir haben auch schon ein paar mal von Iranern gehoert, dass eine Trennung von Kirche und Staat, wie sie in Europe schon lange existiert hier noetig waere. Eine representative Meinung der Iraner koennen wir aber auch nicht wiedergeben, denn wir werden ja eher von den studierten Schichten, die entsprechend auch ein gutes Englisch sprechen, angesprochen. Wir hoeren auch oft die Meinung das die Schah-Zeit (Schah war der Koenig, der durch die Revolution 1978 gestuerzt wurde), besser war. Zu Zeiten des Schahs, war der Iran sehr westlich eingestellt und die Regeln des Islam waren nicht so fest mit dem Staat verknuepft. Frauen konnten z.B. ohne Kopftuch auf die Strasse. Nachdem der Schah gestuerzt war, kam Khomeni als hoher Geistlicher der Muslime an die Macht. Khomeni errichtete einen `Gottesstaat`- Islamische Republik, eine Staatsform in der die Regeln des Korans und der weiteren Werke des Propheten Mohammed zu Gesetzen erhoben wurden. In einer iranichen Zeitung habe ich gelesen, dass die Islamische Republik als weitere (die bessere) Staatsform neben Kapitalismus und Sozialismus angesehen wird. Mit den Gesetzen des Koran kamen solche Regeln wie die Kopftuchpflicht oder eben die Steinigung bei Ehebruch eines Ehepartners (Ledige kommen besser weg) oder das Handabhacken bei Diebstahl. Leider koennen wir nicht sagen, wie streng diese Gesetze angewendet werden, dass solche alten Regeln aber wieder zu Gesetzen erhoben wurden, ist fuer uns schwer begreifbar (erst nach der Revolution 1978 wieder eingefuehrt). Weiter ist es traurig, dass auch die zwei Hauptrichtungen Schiiten (Mehrzahl im Iran) und Sunniten sich gegenseitig beschimpfen. Irgendwie kennen wir das doch auch von Protestanten und Katholiken (vielleicht nicht so sehr in Deutschland aber in Irland). Nachdem der Schah sehr amerikafreundlich war, wurde die Beziehung nach der Rvolution abgebrochen. Im Iran-Irak-Krieg in den 80er Jahren unterstuetzte die USA dann den Irak, weswegen die Iraner auf Amerika nicht gut zu sprechen sind. Khomeni mobilisierte den Wiederstand des Irak, indem er den Krieg gegen den Irak zum Heiligen Krieg erklaerte (Djihad). Alle gefallenen Krieger des Iran galten als Maertyrer, die direkt in das Paradies kommen. In diesem Krieg kamen auch sehr viele Kinder um, die mangels Nachschub rekrutiert wurden. Das kann man auch auf den zahlreichen Ehrenfriedhoefen sehen.
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| Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 28. November 2006 ) |
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