| Pakistan - ein Land mit vielen Gesichtern |
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| Geschrieben von Doris Burk | |
| Tuesday, 16. January 2007 | |
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Will man Pakistan beschreiben, muss man einige seiner vielen Gesichter betrachten. Taftan war fuer uns der erste Grenzort in Pakistan. Nach langem Ueberlegen haben wir uns entschlossen, die Strecke Taftan-Quetta (ca. 660 km) mit dem Bus zurueckzulegen. Warum solch schwere Entscheidung? Das Deutsche Auswaertige Amt raet gaenzlich von Reisen nach Beluchestan ab - zu hohes Entfuehrungsrisiko. Wir kennen nur einige Radfahrer, die diese Strecke vor 4 Jahren per Rad zurueckgelegt haben. Alle Radfahrer die wir bisher trafen, fuhren die Strecke per Bus. Viele hatten sogar auf Grund der zugespitzten Lage kein Pakistanvisa bekommen. Nur die beiden Englaender, mit denen wir von Bam nach Zahedan gemeinsam radelten, wollten den ganzen Weg von England bis Indien radeln. Inzwischen haben wir von ihnen schon eine Nachricht erhalten - sie haben es geschafft, ohne Probleme. In Taftan steigen wir nach ueber 4 Stunden Warten in den Bus. Uns erwartet eine 14-stuendige Busfahrt auf der groessten Drogenschmugglerstrasse, wie sie von einigen beschrieben wird. 10 min nach Abfahrt bekommen wir rund 35 illegale Immigranten in den Hinterbus gestopft. Sie verhalten sich ganz ruhig, fast gespennstisch muksmaeuschen still ist es. Sie essen waehrend der ganzen Fahrt nicht, sie haben gar nichts dabei. Alles ist perfekt durchgeplant und bei kritischen Polizeikontrollpunkten werden "unsere" illegalen Passanten anders heruebergeschmuggelt, wie, das werden wir nie erfahren. Durch diesen Menschenschmuggel verzoegert sich unsere Fahrt enorm und wir erreichen erst 2.00 Uhr frueh Quetta. In der Kaelte suchen wir nach einem Hotel. Eine Seite von Pakistan ist der Drogenhandel. Jaehrliche Produktionen von 500 Tonnnen Opium gelangen ueber den Balkan nach Europa. Ob Terrororganisationen wie Al-Qaida daraus ihre Nutzen ziehen, sind nur Vermutungen. Das die Taliban ihre Ausbildungen in Pakistan erhalten ist bekannt. Irgendwo in den Bergen von Beluchestan werden sie in islamistischen Schulen ausgebildet. Auch wir radelten mit Polizeischutz durch das Gebiet und werden von der Polizei vor Taliban und Drogenschmugglern gewarnt - eine andere Seite von Pakistan. Nach rund 400 km radeln - vorbei an Armuts- und Elendsviertel, an stinkenden Kloaken und verdreckten Fluessen, woraus arme Leute trinken, dreckigen Strassen und ueberall nur Schmutz und Staub - gelingt es uns kaum die schoene Seite von Pakistan zu erkennen. Das Wasser ist so schmutzig, das es selbst in abgekochtem Zustand uns fuer die naechsten Tage ans Bett fesselt. Die Regionen Beluchestan und Sindh gehoeren zu den aermsten Regionen von Pakistan mit starken Sicherheitsdefiziten. Die ganze Strecke werden wir von Polizisten begleitet. Einkaufen oder Essen im Restaurant - ohne Begleitung einfach nicht moeglich. Wir gewoehnen uns nicht an die Polizeieskorte, so weit es geht versuchen wir sie zu ignorieren. Langsam fahren wir in die Punjabregion. Es wird gruener. Wir radeln vorbei an Bananenfeldern und riesigen Zuckerrohrplantagen. Die Strassen werden besser, sogar teilweise 2-spurig und auch die Staedte lassen sich wieder angenehmer durchfahren. Von Reichtum keine Spur, aber so langsam beginnen wir in den Orient einzutauchen und langsam beginnen wir ihn zu geniessen. Da sind die unendlich vielen Eselskarren, gelenkt von lachenden kleinen Jungs, Maultier und Dromedare geschmueckt mit Hennamalerei. Fast nur Maenner sieht man auf den Strassen, bekleidet mit bunten Tuechern oder Turbannen. Alte, stolze Maenner tragen ihre Baerte zur Schau, manchmal rot gefaerbt mit Henna. Wir uebernachten in einer Polizeistation. Ich werde von einem Jungen nach Hause eingeladen, seine Schwestern wollen mich sehen - Stefan bleibt das verwehrt. Auf die Frage, ob wir nicht beide mit in das Haus kommen koennen, erhalten wir die Antwort: " Das ist Pakistan". 3 Maedchen im Alter von 14-17 Jahren und ihre Mutter empfangen mich freundlich. Ich bekomme Tee und Gebaeck und auch Stefan bekommt seinen Tee, aber vor dem Haus gereicht. Ein Maedchen bemalt meine Handunterseite mit Hennamalerei, da sie weis, dass ich Botanikerin bin, malt sie Blaetter und Blueten mit hinein. Am Ende bekomme ich ein typisch pakistanisches Tuch geschenkt.
In einem Land, wo Frauen in Ganzkoerperbedeckung (Burka) auf der Strasse herumlaufen oder besser gleich zu Hause bleiben, bekam ich als erste den Einblick in eine pakistanische Familie. Wer haette das gedacht? Das Haus ist das Reich der Frauen und dort herrschen sie. Wir radeln weiter. An uns fahren ueberladene, bunt geschmueckte LKW's vorbei.
Mit liebevollen Malereien, farbigen Bommeln, und Hunderten Glocken ziehen die Transporter an uns vorueber. Eine Tradition, wie sie in diesem Ausmass wohl nur in Pakistan verbreitet ist. Auf der anderen Seite gehen kaum 50% der Kinder zur Schule und fuer viele ist sauberes Wasser ein Luxus, den sie sich nie leisten koennen. Manchmal kommen uns bunte Traktoren mit Lautsprechern entgegen, aus denen laute, rhythmische Musik ertoent. Mir kommt es vor wie auf der Prossener Schifferfastnacht. Ein kleiner Tipp am Rand: am 20. Januar 2007 kann sich jeder sein eigenes Bild in Prossen machen, wenn es wieder heisst: Prossen Ahoi, Prossen Ahoi, Prossen Ahoi Es gibt wieder neue Bilder im Fotoalbum! |
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| Letzte Aktualisierung ( Friday, 19. January 2007 ) |
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