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Unsere letzten Dezembertage PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Doris Burk   
Sunday, 31. December 2006
Weihnachten mit Kartoffelsalat, Sandsturm in der Wueste Lut und Uebernachtung im Soldatencamp in Beluchistan

Weihnachten verbrachten wir in Bam mit 5 weiteren Travelern aus England, Australien, Irland, Schottland und der Schweiz.

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Am 24.12. bereiteten Stefan und ich das Essen fuer den Heiligen Abend vor. Wir kauften Kartoffeln, Mayonnaise, Pfeffer, saure Gurken, Zwiebeln und frischen Dill und bereiteten daraus einen leckeren Kartoffelsalat. Dazu gab es eine Art Wiener Wuerstchen, gekocht, aber aus Ziegenfleisch. Senf konnten wir leider nirgends finden, so gab es dazu Ketchup.

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Wir waren eine gemischte Runde von 10 Leuten, mit dem Gastwirt Akbar. Nach dem Essen gab es auch eine richtige Beschehrung mit kleinen Geschenken, Datteln, Keksen und Pfefferkuchen. Danach erzaehlte uns Akbar eine Weihnachtsgeschichte, es war eine wahre Geschichte vom 26.12.2003 aus Bam. 3 Tage nach dem Erdbeben hatten die Menchen, die ueberlebten nix. Es war sehr kalt und sie hatten keine Decken, kein Wasser und kein Essen. Alle froren und schuetzend hielten sie die Haende ueber ein kleines frierendes Maedchen. 6 Tage nach dem Erdbeben, erzaehlte uns Akbar, war er am Ende mit seinen Kraeften. Er wusste nicht weiter - alles war zerstoert. Die Haeuser lagen in Truemmern, Tausende Tote und ueberall nur provisorisch aufgebaute Zelte. Aber dann, aufeinmal sagte er sich, es wird wieder ein Bam geben, ein neues Bam und ein noch schoeneres Bam. Er beherbergt seit dem immer wieder Reisende, baute sein Haus wieder auf und parallel dazu provisorische Uebernachtungsmoeglichkeiten fuer Traveller. Als das alles fertig war, plante er ein grosses, neues Gaestehaus, welches in einem halben Jahr bezogen werden kann. Es war so viel Kraft und Lebenswillen in ihm und nicht nur bei ihm, sondern bei all den anderen Ueberlebenden in Bam. Nun legten wir alle gemeinsam eine Schweigeminute ein und da eine Minute nicht reichte, fuer das was hier geschah, waren es 2 oder 3 Minuten der Stille und Gedanken. Am Abend vom 25.12. legten wir Rosen auf den Friedhof von Bam nieder, welcher sich von einem Tag auf den anderen mehr als verdoppelte.

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Am 2. Weihnachtsfeiertag starteten wir mit unseren Raedern und einem englischen Ehepaar Richtung Zahedan.Vor uns lagen mehr als 300 km Wueste - die Wueste Lut. Aber bevor wir so richtig in die Wueste eintauchten, radelten wir noch an Tausenden Dattelpalmen vorbei und unsere Augen saugten die Farbe gruen in sich auf. Bald radelten wir in der Wueste. es war fantastisch - so lange hatten wir darauf gewartet. Bald waren die ersten 65 km geschafft und da wir nicht campen wollten (Drogenschmugglerstrasse) versuchten wir es bei einer Polizeistation. Aber weder die Polizisten wollten uns aufnehmen, noch bekamen wir den Schluessel zur Moschee. So radelten wir in das Dorf Fahraj, in der Hoffnung, wir koennten dort in der Moschee uebernachten. In den Vorhof der Moschee wollten wir unsere Zelte aufschlagen. Aber es kam wieder mal anders und John und Sally, das englische Radlerpaar, trafen einen geistlichen Muslim, der uns in sein Haus einlud.

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Wie so oft bekamen wir Tee, Obst und spaeter ein komplettes Abendbrot gereicht. Der Geistliche hatte mit seiner Frau (19 Jahre) einen einjaehrigen Sohn. Wir erfuhren, das die beiden schon seit 4 Jahren verheiratet waren. Irgendwann kamen wir auf die Holocaust-Konferenz in Teheran zu sprechen. Der Geistliche fragte uns, wieso wir erst jetzt nach 60 Jahren den Holocaust entdeckten, worauf wir im versicherten, dass das schon seit 60 Jahren ein Thema in Europa ist und nicht neu. Stimmt da vielleicht etwas mit der Informationsvermittlung hier im Iran nicht? 
Einige Leute kamen zu Besuch um uns zu sehen. So wurden wir zum Beispiel spontan vom Buergermeister zum Mittagessen und von einem anderen Geistlichen Muslim zum Abendbrot und zum Uebernachten eingeladen. Wir wollten aber am naechsten Tag weiter radeln. Am naechsten Morgen bekamen wir noch die alte Burg gezeigt und danach verabschiedeten wir uns von dem Geistlichen und bedankten uns fuer seine Gastfreundschaft. Nun lagen 103 km Wueste vor uns. Nach 30 km sahen wir einen alten Wegturm an der Strasse - ansonsten nur Sand, nichts als Sand und Weite.

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Wir radelten vorbei an wunderschoenen Sandduenen und vom Wind bizarr geformten Sandformationen. Wir hofften bald auf Kamele zu treffen, sahen aber nur Dutzende auf 3 Trucks und einige tote im Strassengraben. Aber nach 99 km sah ich 2 Punkte, schaute durch mein Teleobjektiv und tatsaechlich es waren sogar 3 wilde Kamele.

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Nun war es nicht mehr weit und wir kamen zum Polizeikontrollpunkt mit Soldaten. Hier fragten wir, ob wir unsere Zelte aufschlagen durften und nach einer Weile warten und einigen Telefonaten konnten wir bleiben. Abends gegen 20.00 Uhr kam ein heftiger Sandsturm auf und so wurde uns angeboten im Soldaetenzelt zu uebernachten. So kam es, dass 10 Soldaten ihre Gewehre packten und aus dem Zelt auszogen, wo wir noch einen weiteren Tag verbrachten, da der Sandsturm sich nicht legte. Fuer Unterhaltung sorgten die Soldaten, die immer wieder fuer kurze Zeiten uns besuchten und sich mit uns interessiert unterhielten. Sie brachten uns Tee, Pistazien, Zitronen, Fruehstueck und zum Mittag Reis mit Huehnchen. In einem iranischen Soldatencamp in Beluchistan zu uebernachten und so freundlich aufgenommen zu werden - wer haette das gedacht. Wir fuehlten uns jedenfalls hier sehr wohl.

Letzte Aktualisierung ( Monday, 1. January 2007 )
 
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