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Verkehrschaos, Stachelschwein und Chiliomelett PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Doris Burk   
Sunday, 28. January 2007

Wieder fahren wir in eine groessere pakistanische Stadt hinein. Ob in Multan oder Lahore, jedesmal verlangt der Verkehr alles von uns ab. Nur mit hoechster Konzentration gelingt es uns unbeschadet durchzukommen. Wir schlaengeln uns an Esels-, Zebu- oder Ochsenkarren, an Motorrikschas, Mopeds, Fussgaengern, Kleinbussen, LKW's oder Bussen vorbei. Immer wieder kommen uns noch zusaetzlich Fahrzeuge aller Art entgegen - auf der falschen Strassenseite, nicht ungewoehnlich fuer Pakistan. Pferdekutschen galoppieren an uns vorueber. Um Millimeter-Arbeit geht es hier oft gar nicht mehr. Besonders die fuer uns laestigen Motorrikschas schrammen schon mal unsere Taschen, aber immer nur so wenig, dass nix passiert. Wir radeln weiter.

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Mit einem Auge sehen wir Bettler am Strassenrand sitzen, mit abgehackten Fuessen oder verstuemmelten Beinen, gezeichnet von Krankheit. Es gibt keine Zeit, das Geschehene zu verarbeiten. Wir muessen mit dem Verkehr mitschwimmen. Das, was uns in Teheran noch Spass machte, verlangt uns hier alles ab und schon nach wenigen Kilometern sind wir gereizt und genervt. Aber es hilft alles nix - wir muessen weiter. Am Strassenrand sehe ich einen unbekleideten Mann liegen. Er bewegt sich nicht mehr, aber niemand kuemmert sich darum. Zwei freundliche Pakistaner zeigen uns die Bussation und ruck zuck sind die Raeder auf dem Dach, das Fahrgeld bezahlt und bevor wir im Bus sassen, wurde uns noch ein Dauerlauf zur Toilette gewaehrt. 300 km geht es nun mit dem Bus nach Islamabad. Von Islamabad bis Lahore wollen wir die Strecke zurueckradeln. Wegen unserem Indienvisum wollten wir erst einmal so schnell wie moeglich nach Islamabad. Im Bus ist es heiss. Zum Glueck werden uns eiskalte Getraenke angeboten und dann geht es los. Ganz langsam finden wir Zeit und Ruhe das Geschehene zu verarbeiten. Da sind die kleinen Schrecksekunden, als beim Ueberholen eines Eselkarrens der Esel wegen des glatten Asphalts alle Viere von sich schob, oder auf der Landstrasse ein Bus auf uns zuraste und wir uns im sandigen Strassengraben voellig verstaubt wiederfanden, oder als im dichten Stadtverkehr ein Eselskarren nicht mehr bremsen konnte und in ein Auto rannte.

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Wenn wir Nachts Gewehrschuesse hoeren, denken wir uns nichts mehr dabei, denn als in der ersten Nacht in Beluchestan unser Zeltboden bebte, wie wir es noch nicht erlebt hatten erfuhren wir am naechsten Morgen, dass es wohl eine pakistanische Hochzeit gewesen sein musste. Hier in Pakistan sieht man sehr viel Polizei und Sicherheitsleute mit Maschinengewehr oder Pumpgun, das gehoert zum Strassenbild. Wir haben aber auch viel gestaunt, zum Beispiel als wir 2 Stachelschweine im Strassengraben fanden, hatten wir doch nicht hier mit diesen witzigen Tierchen gerechnet. Auch ueber die Freundlichkeit der Pakistaner staunten wir immer wieder.

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Und wenn wir hier mit etwas zu kaempfen hatten, dann war es nicht der Fundamentalismus oder Terrorismus, sondern allenfalls mit der extremen Armut in Beluchestan und Sindh, dem chaotischem Verkehr und der uns am Anfang begleitenden Polizeieskorte. Trotzdem waren die Polizisten immer freundlich zu uns, wollten nur das Beste fuer unsere Sicherheit, obwohl wir uns gerade hier in Punjab immer sicher fuehlten. Auf Wildzelten verzichteten wir dennoch ganz in Pakistan. Im Bus wurde Musik angeschalten und ganz langsam genossen wir wieder die Faszination des fremden Pakistans. Wir fuhren vorbei an Doerfern, an Feldern und Wasserbueffeln, an Eselskarren oder den seltenen Kamelkarren, an dreckigen Fluessen und an spielenden Kindern. Aus dem Bus heraus eine ganz andere Perspektive - mit viel Abstand. Weder der Geruch der Strassenkuechen, noch der Gestank der Kloaken drang in unsere Nasen. Keiner hupte uns von hinten permanent an. Nach rund 5 Stunden Busfahrt erreichten wir Islamabad, die Hauptstadt von Pakistan. Es war eine Idylle fuer uns. Wir radelten an riesigen Parks vorbei und obwohl es schon dunkel wurde und wir noch nicht unsere Jugendherberge erreicht hatten, entstand keine Hektik. Der Verkehr rollte. Keine Motorrikschas, keine Karren, keine Bettler. Eine Stadt wie in Europa mit Villenvierteln vom Feinsten. Die Jugendherberge ist billig und fuer pakistanische Verhaeltnisse wirklich sauber - das haben wir uns schon lange mal wieder gewuenscht. Wir empfinden hier in Islamabad eine wunderbare Ruhe, Voeglein zwitschern, kein Strassenstaub, kein Autogehupe. Islamabad ist eine neue moderne Stadt mit 900 000 Einwohnern, die erst 1960 gegruendet wurde. Eine touristische Stadt ist sie nicht, aber gerade fuer uns richtig. Hier lassen wir ein wenig die Seele baumeln. Hier haben wir uns die Faisalmoschee, groesste ueberdachte Moschee der Welt (fuer 100 000 Pilgerer Platz) angeschaut.

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Im Zoo sahen wir die in Pakistan bereits ausgestorbenen Tiere, wie Tiger, Loewen (Zoo in Bahawalpur) und den Indischen Elefanten, sahen den Familien beim Sonntagsausflug zu und bestaunten den Kinderreichtum. Hier in Islamabad war fuer viele die Welt in Ordnung, Kinder bekamen Suessigkeiten von den Eltern gekauft, spielten auf Spielplaetzen und staunten ueber die Kamele. Wir haben ein anderes Pakistan kennengelernt, ein Pakistan wo Kinderarbeit weit verbreitet ist, wo Kinder zum Betteln gezwungen werden, wo Kinder im Dreck und im Muell wuehlen muessen, um ueberleben zu koennen. Wir geniessen die Ruhe und das Gruen der Parks in der Hauptstadt und dennoch zieht es uns wieder in die von aussen  wohl schaebigste Garrkueche am Parkrand, wo wir unser Fruehstueck bestellen, Omelett mit Chili und Zwiebeln, leckeres, frisches Fladenbrot und dazu den typischen pakistanischen Tee, der gleich mit viel Zucker und Milch aufgekocht wird.

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Letzte Aktualisierung ( Sunday, 28. January 2007 )
 
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