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Visaprobleme und Geistertunnel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stefan Möller   
Monday, 25. June 2007

Doris und ich wollten gerne Osttibet per Rad durchqueren aber in Lhasa standen wir mit einem nur noch 20 Tage gültigen Tibet-Permit und einem ungültig gestempelten China-Visum da. Auf unsere Erfahrung bauend, dass sich alles irgendwie regeln lässt haben wir uns also aufgemacht, den Himalaja zu bezwingen.

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Kangding mit reissendem Gebirgsfluss
 

Pünktlich zwei Tage vor Ablauf unseres Permits haben wir die Grenze Tibets erreicht. In einer chinesischen Stadt sind wir gleich zur nächsten Polizeistation gestiefelt und haben einen computerspielenden Beamten leider stören müssen. Allerdings machte er uns klar, dass es hier kein Visum gibt und wir in die nächste größere Stadt fahren müssten zum 'Public Security Bureau', welches für Visaangelegenheiten zuständig sind. Na gut dachten wir, da die Polizei nicht den Eindruck machte, als wäre das eine besonders eilige Sache und wir natürlich mit dem Fahrrad fahren wollten, nahmen wir in Kauf, ohne gültiges Visum ein Weilchen unterwegs zu sein.

Bevor wir aber wirklich weiter konnten, standen wir plötzlich vor einem ganz anderen Problem, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Unsere chinesischen Yuan waren fast alle. Kein Problem dachten wir, wir waren in einer Stadt mit Bank und Automat und hatten sowohl Karten als auch Reiseschecks, Dollar und Euro - da musste doch was gehen. Die einzige Bank lies uns aber abblitzen und verweigerte alles. In leichter Panik viel uns ein, dass ja auch große Hotels Geld tauschen. Eine nettes Hotelmädchen deutete uns vielversprechend an, ihr zu folgen, brachte uns zu unserer Enttäuschung aber auch bloß wieder zur Bank - also auch so kamen wir nicht weiter. Ohne Geld steckte wir aber fest. Also sind wir noch einmal zur Polizei, unserem 'Freund und Helfer'. Dort fanden wir zum Glück gleich eine nette Beamtin, die Englisch sprach. Wir sollten warten, man sammelte sich und beratschlagte, wollte zu unserem Leidwesen dann unser Visa sehen und so kam auch dieses Thema noch mal mit auf den Tisch. Wir füllten Formulare aus und immer mehr Kollegen sammelten sich im Raum (selbst ein computerspielender Beamter ließ schlussendlich vom Spielen ab um sich dem Trubel anzuschließen). Wir setzten unser schönstes Lächeln auf (da stehen wir den Chinesen um nichts nach) und setzten auf Zeit und Ruhe, wie wir es unterwegs gelernt hatten. Bald wurden wir zum Abteilungsleiter gebracht, nahmen dort wieder Platz und beobachteten weiter den Trubel der diskutierenden Beamten. Aber auch hier war das Problem noch nicht zu lösen und so wurden wir alsbald zum Chef der Polizeistation weitergereicht. Nach dem erneuten Erklären und Diskutieren (welches natürlich für uns weitgehend unverständlich blieb), wurde eine noch besser Englisch sprechende Beamtin herangeholt. Der Chef zeigte dann ein großes Interesse an unseren Dollarscheinen, die wir zum Tausch mithatten und beäugte sie neugierig - wahrscheinlich taucht so etwas hier noch selten auf. Und plötzlich bot er uns freudestrahlend an, 100 Dollar umzutauschen, wohl um einen der seltenen Scheine in seinem Besitz zu haben. Das ging alles sehr schnell, wir konnten unser Glück ob der unkomplizierten Lösung kaum fassen. Ich gab auch noch, etwas überrumpelt, einen für uns recht vorteilhaften Kurs an und dann standen wir auch schon draußen mit den neuen Scheinen und dem abgerungenen Versprechen, morgen die Stadt zu verlassen. Wir mussten - außer Sichtweite - erst einmal richtig lachen. Soweit so gut, aber das Visaproblem war noch nicht gelöst und die Sache war noch nicht ausgestanden.

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Erst mal fuhren wir aber in sieben Tagen durch die Berge der großen Stadt entgegen, in welcher die Lösung auf uns wartete und machten uns weiter keine Gedanken. Einmal standen wir plötzlich vor einem Tunnel, der wohl noch im Bau war. Die Umgehungsstraße - eine buckelige Piste - sah nicht sehr verlockend aus und die Arbeiter winkten uns freundlich in den Tunnel hinein, also folgten wir der Aufforderung. Drinnen merken wir bald, dass wir tatsächlich in einer großen Baustelle gelandet waren. Wir kurvten in staubiger Luft unter Gerüsten durch und grüßten die verdutzten Arbeiter. Schweren uns entgegenkommenden Bulldozern mussten wir ausweichen und in der Mitte des 3.4 km langen Tunnels auch noch unsere Räder über Schalungselemente hieven - so eine Tunnelfahrt ist in Deutschland undenkbar. Später sollten wir noch durch 2 Tunnel fahren, die auf ihren über 2 km so stockdunkel waren, dass es beängstigend war. Meine Stirnlampe strahlte nur noch ein Lichtfädchen aus, mit dem ich mich an die Mittellinie klammerte und Doris fuhr im totalen Blindflug, meinem roten Rücklicht folgend. Keine Frage, dass wir froh waren als wir endlich durch waren.

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Nun sind wir also in Kangding, gestern war Sonntag und heute früh sind wir pünktlich beim 'Public Security Bureau' angetreten. Wir bekamen gleich einen Tee, der Kollege sprach zwar leider kein Englisch, rief aber gleich eine Kollegin an, die auch nach wenigen Minuten sich unserer Sache annahm. Schnell war auch klar, dass wir seit 8 Tagen ohne Visum unterwegs sind und da gab es scharfe Fragen. Wir erklärten dies und das und das wir es auf der Polizei an der Grenze schon versucht hatten und dort ja noch innerhalb der Permitfrist waren - allein es half alles nichts, wir sollten 90 Euro Strafe zahlen - was wir irgendwann auch widerwillig akzeptiert hätten. Aber so leicht wollten wir noch nicht aufgeben, wir erklärten noch einmal, holten unsere Karten raus, zeigten die Strecke, die wir gefahren waren, erzählten, dass wir seit 10 Monaten unterwegs sind und in die Hauptstadt nach Beijing wollten. Ein Kollege wollte meine Armmuskeln fühlen - da war ich seinen weit unterlegen - aber ich machte ihm klar, dass ich bei den Beinen doch besser dastehen würde. Uns wurde der Tee nachgegossen und es wurde untereinander diskutiert und wir setzten wieder mal auf Zeit. Und tatsächlich, nach einer Weile offenbarte man uns, man würde uns die Strafe erlassen aber wir mussten wiederholt zugeben, dass wir wissentlich falsch gehandelt hatten - ja ja. Mit 30 Euro Bearbeitungsgebühr konnten wir dann Nachmittags unser für einen Monat gültiges neues Visa in Empfang nehmen - ein schönes Gefühl.

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Hinten Tibet-Permit, links altes Visa und rechts das neue
 

 Es gibt wieder jede Menge neue Bilder im Fotoalbum!

 

Letzte Aktualisierung ( Monday, 17. September 2007 )
 
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