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Das perfekte Reiserad ... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stefan Möller   
Tuesday, 27. February 2007

Dieser Artikel ist gespickt mit Produktwerbung die aber einzig und allein auf unserer guten Erfahrung basiert. Sicherlich gibt es noch viele andere gute Produkte und Loesungen.

Ein Reiserad muss vor allem robust und langlebig sein, denn die Ersatzteilbeschaffung unterwegs ist meist sehr schwierig. Dabei ist das Gewicht des Rades zwar nicht unerheblich aber zweitrangig. Normaler Verschleiss ist unterwegs zudem abschaetzbar und man kann vorsorgen, indem man sich entweder Ersatzteile per 'Poste Restante' an irgendein Postamt weltweit schicken und lagern laesst oder wie wir, hin und wieder Besuch aus der Heimat bekommt, der dann das Noetige mitbringen kann.

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Doris ihr Rad
 

Rahmen

Hier gibt es eigentlich nicht so viel zu sagen. In manchen Laendern gibt es schwer Ersatzteile fuer 28"-Raeder, es ist also empfehlenswert fuer eine Weltreise auf ein 26"-Rad zu setzen. Ein Rahmen aus Stahl ist besser als Alu, weil er leichter geschweisst werden kann, wenn er irgendwo zusammenbricht. Ein Schweissgeraet ist meist schnell aufzutreiben, z.B. in Autowerkstatten. Stabil sollte er natuerlich sein, zu sehr auf Gewicht getrimmte Rahmen sind  nicht geeignet. Auf Federung wuerde ich persoenlich verzichten, weil diese immer ein unnoetiges Ausfallrisiko darstellt. Man kann sicherlich fuer viel Geld auch reiseradtaugliche Federungen bekommen aber das ist nicht noetig. 

Schaltung

Da stellt sich die Frage Nabenschaltung oder Kettenschaltung. Als Nabenschaltung ist die Rohloff 14-Gang-Nabe legendaer. Wir haben schon einige Reisende mit dieser Schaltung gesehen. Neben vielen Vorteilen hat sie einen entscheidenden Nachteil - sie kostet alleine 800 Euro und laesst sich auch schlecht nachruesten, da sie einen speziellen Rahmen benoetigt (ich weiss, es gibt einen Adapter). Wer sowieso ein neues Fahrrad anschaffen will, kann das erwaegen - fuer uns kam das nicht in Frage, wir sind mit unseren alten Raedern unterwegs und ich gebe deswegen hier Tips fuer die Kettenschaltung.

Entscheidend bei der Kettenschaltung ist die Haltbarkeit der 'Verschleissteile'. Die Haltbarkeit zu erhoehen ist eine Wissenschaft aber man kann nach meiner Erfahrung bis zu 20 000 km mit einem Ritzelsatz erreichen, ich habe auch schon von ueber 30 000 gehoert, mein Rekord liegt aber derzeit noch bei 20 000 (mit zwei Ketten). Alle Tipps beziehen sich noch auf 7/8-fach Schaltungen, wir haben beide noch 7-fach im Einsatz. Hier ein paar Tipps, auf was man achten sollte:

  • Gute Komponenten: Das muessen nicht die teuersten sein aber gute Mittelklasse, meine Empfehlung sind HG-70 Block und SRAM-PC68-Kette (hat Kettenschloss), bei Kettenblaettern greife ich auf Shimano-Alternativen zurueck, da meine Groessen schwer zu haben sind (und das Geld spart). Die KB scheinen aber nicht so entscheident fuer die Laufzeit zu sein.
  • Kette aller 1000 km wechseln: Das sollte man auf alle Faelle machen, nur so erreicht man solch lange Laufzeiten. Wir wechseln derzeit 2 Ketten ab. Wenn man nur bis zu 15 000 km fahren will, reicht das aus und man spart eine Kette zusaetzliches Gewicht. Fuer laengere Touren sollte man aber auf alle Faelle 3 Ketten abwecheln. Ketten von SRAM haben ein Kettenschloss was das Wechseln sehr erleichtert.
  • Antrieb reinigen: und zwar am besten gleich beim Wechseln der Kette aller 1000 km. Keine Reinigungsmittel verwenden! Das waescht die Kette aus und erhoeht den Verschleiss. Nur mit einem Lappen sauberwischen und natuerlich Ritzel und Kettenblaetter putzen, soweit man rankommt.
  • Oelen: Geoelt muss immer werden, wenn die Kette trocken ist. Wenn man sie hoert, ist es eigentlich schon zu spaet. Besonders nach Regen oelen. Ich verwende Finish Line Cross Country Kettenoel. Trotzdem wir ausreichend oelen, hat eine 60 ml-Flasche fuer 2 * 10 000 km gereicht, haengt natuerlich auch vom Wetter ab.
  • Richtige Ritzelabstufungen finden: Die Kette sollte in den am meisten gefahrenen Gaengen moeglichst gerade laufen und hinten auf moeglichst vielen Zaehnen. Konkret heisst das, versuche Deine Ritzel-Kettenblatt-Kombination so zu waehlen, dass Du auf der Geraden vorne auf dem mittleren Kettenblatt und hinten auf dem mittleren Ritzel faehrst. Dauerhaft hinten auf kleinen Ritzeln zu fahren erhoeht den Verschleiss.
  • Keine 'verbotenen' Gaenge fahren: also keine Gaenge mit extremer Schieflage der Kette. 

Einen interessanten Tipp habe ich von den unterwegs getroffenen Tschechen bekommen. Sie holen sich aus Fahrradlaeden unterwegs kostenlos gebrauchte Ketten (neue greifen auf einem gebrauchten Antrieb irgendwann nicht mehr) und haben damit eine Lebensdauer von 35 000 km erreicht!

Unglaubliches haben Elena und Peter auf ihrer Weltumradlung geschafft, Elena ist 47.000 km mit einer Kette gefahren. Das Geheimnis koennte das Schmiersystem Lubmatic von Rohloff gewesen sein. 

Wenn der Antrieb verschlissen ist, d.h. die Kette anfaengt zu springen, dann muss man Ritzelblock, Ketten und vorne das meistgefahrene Kettenblatt wechseln. Gegebenenfalls auch die Schaltungsroellchen wechseln.

 Um die Schaltung zu schuetzen, empfehle ich, so einen Schutzbuegel anzubauen, der das Schaltwerk schuetzt. Gerade bei Bus- oder Bahntransporten ist das Schaltwerk das am meisten gefaehrtete Teil.

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Mein Rad
 

Laufraeder und Bremsen

Fuer eine normale Reise ueber ein Jahr reichen normale Holkammerfelgen, soll es ueber mehrere Jahre gehen,  empfehle ich keramikbeschichtete Felgen, die bei Felgenbremsen nicht durchgeschliffen werden (aber sehr teuer sind). Zudem ist bei diesen Felgen der Abrieb der (speziellen) Bremskloetze sehr gering, so dass man nicht zu viel Ersatz mitnehmen muss. Als Bremsen benutzen wir noch Felgenbremsen, Scheibenbremsen sind sicherlich eine Option, da habe ich aber keine Erfahrung. Doris hat Magura-Hydraulikbremsen, aus meiner Sicht die beste Variante. Dann sollte man aber mindestens einen Ersatzhydraulikschlauch mitnehmen, Ersatzteile hierfuer sind schwer zu bekommen. Ab der Shimano-Gruppe Deore aufwaerts kann man die Naben bedenkenlos verwenden. Auf alle Faelle vor dem Start kontrollieren, deftig fetten und perfekt einstellen. Das ganze nach spaetestens 10 000 km wiederholen. Von einem Achsbruch habe ich noch nichts gehoert. Will man bei den Speichen ganz sicher gehen oder hat vor, lange Strecken auf holprigen Strassen zu fahren, empfehle ich spezielle Speichen, die am Speichenkopf 2,34 mm (normal sind 2 mm) dick sind, denn normalerweise reissen sie dort.

Bereifung

Lange habe ich sie ignoriert, letztendlich habe wir sie nun beide im Einsatz und sind begeistert. Damit haetten wir uns vielleicht 2 Drittel der bisher ueber 40 Platten auf dieser Reise sparen koennen. Derzeit kenne ich nichts besseres. Die Rede ist von den Marathon XR - Reifen von Schwalbe. Vorne verwende ich einen Marathon Plus - Reifen mit dicker blauer Pannenschutzschicht, der ist etwas weniger profiliert, etwas duenner und genauso gut. Wenn man hauptsaechlich Asphalt faehrt ist dieser keine schlechte Wahl, im Zweifelsfall aber einfach zwei XR nehmen (und einen als Ersatz ins Gepaeck). Wenns in die wirklich dornigen Gegenden geht, kann ich empfehlen, zwei Reifen uebereinander zu ziehen, dann kommt wirklich nichts mehr durch (aber das Rad wird schwerer). Ansonsten immer schoen den Luftdruck hoch halten, das schont Kraft und die Felgen!

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Viele Platten vor der XR-Zeit
 

Gepaecktraeger

Stahlgepaecktrager sollten es sein, denn die koennen zur Not unterwegs geschweisst werden. Wir verwenden Tubus-Gepaecktraeger fuer vorne und hinten. Fuer vorne gibt es von Tubus eine dicke Schelle fuer alle, die keine Bohrungen in der Gabel haben. Die tut es sehr gut, also kein Grund zur Sorge (oder aufwendigem Gabelwechsel). Ich hatte in Australien das Problem, dass Schrauben, mit denen der Lowrider unten an der Gabel festgeschraubt war, wegen zu hoher Belastung durchgebrochen sind. Dummerweise steckte der Schraubenrest im Rahmen und muesste muehselig in einer Werkstatt entfernt werden. Wer schon von solchen Schwachstellen weiss, sollte lieber gleich dort das Gewinde aus dem Rahmen bohren und eine Schraube mit Mutter verwenden. Dann reicht eine Ersatzschraube und alles ist repariert.

Spezielle Anbauten

Es empfiehlt sich, spezielle Flaschenhalter fuer grosse 1,5-Liter-Limoflaschen anzubauen. normale Fahrradflaschen  sind zu klein und verdrecken mit der Zeit, PET-Flaschen kann man an jeder Ecke kaufen und so auch bei Bedarf austauschen. Die kaeuflichen Halter haben eine verschiebbare Zange, in welche der Flaschenhals eingespannt wird. Sofort abschrauben und durch einen dicken Gummi ersetzen (siehe Bild), so bekommt man jederzeit beliebige Groessen unkompliziert in den Halter und auch noch groessere Flaschen (2.5 Liter passen bei mir, das sind immerhin schon 5 Liter Wasser bei zwei Haltern). Ich konnte einen Rahmensockel jeweils verwenden und musste einen zweiten mit einer Baumarktschelle dazubauen (siehe Bild).

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PET-Flaschenhalter
 

Ergonomie

Ueber Haltung kann ich nicht viel sagen, das muss jeder selber herausfinden. Bei den Saetteln sieht es genauso aus, die meisten Reiseradler schwoeren auf Brooks-Ledersaettel, ich kann diese Begeisterung nicht teilen. Ich fahre einen dicken Gelsattel, Doris einen Selle Ldy. Wir sind beide recht zufrieden. Die Lenkergriffe spielen eine grosse Rolle damit die Haende nicht leiden, hier ist mein Tip ergonomische Griffe von ERGON zu verwenden (hat Doris im Einsatz). Die haben gegenueber den Biogrip-Griffen den Vorteil, dass sie per Schraube fest geschraubt werden und so nicht durch Naesse gelockert werden koennen und verrutschen. Allerdings bekommt man sie wegen ihre starren Form nicht ueber einen Hornlenker und so verwende ich die zweite Wahl, Biogrip mit Sekundenkleber festgeklebt.  

Taschen

Die meisten schwoeren auf Ortlieb, es gibt sicherlich auch gleichwertige Alternativen. Wir haben aber sehr gute Erfahrungen gemacht mit Ortlieb. Das Halterungssystem ist sehr robust und die Taschen bleiben dank des festen LKW-Planen-Materials sehr lange wasserdicht. Unsere sind zwar nun loeschrig, haben aber auch schon vor dieser Reise viel mitgemacht. Fazit: Wer es wasserdicht haben will, sollte vor jeder Weltreise die Taschen erneuern. 

Sicherheit

Ein dickes Buegelschloss pro Fahrrad ist Pflicht. Damit nicht die Laufraeder oder der Sattel schnell abgebaut werden koennen, empfehle ich, die Schnellspanner durch spezielle Sicherheitschrauben zu ersetzen, die nur mit einem speziellen Schluessel geoffnet werden koennen. Das gibts im Set zu kaufen. 

Sonstiges

Als Fahrradcomputer haben wir mit den Modellen von CatEye sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese sind im Gegensatz z.B. zu SIGMA absolut witterungsfest und haben zudem anschraubbare Halterungen und nicht so eine Gummibandkonstruktion wie SIGMA.

 So saehe mein naechstes Reiserad aus:

  • 26" Stahlrahmen ohne Federung
  • Schaltgruppe  mindestens  Shimano Deore
  • Tretlager beste Qualitaet, die zu haben ist
  • Ketten  SRAM PC68  3 Stueck zum wechseln
  • Magura Hydraulikbremsen
  • Keramikfelgen und dicke Speichen
  • Marathon XR - Reifen
  • 2 PET-Flaschenhalter
  • CatEye-Fahrradcomputer
  • Tubus Lowrider und Gepaecktraeger
  • Ortliebtaschen
  • Sicherheitsschnellspanner

 

Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 3. July 2007 )
 
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