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Internet von unterwegs PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Stefan Möller   
Sunday, 10. December 2006

Viele Langzeitreisende veroeffentlichen einen Online-Reisebericht im Internet und halten Kontakt mit der Heimat ueber Email, so auch wir. Nachfolgend einige Tipps, ob und wie das im Ausland funktioniert.

Mail:

Internetcafe in Kappadokien
Schueler im Internetcafe in Kappadokien (Tuerkei)
Alle Emaildienste haben heute eine Weboberflaesche, ueber die man aehnlich wie in einem Emailprogramm seine Mails verwalten kann. Das ist also unterwegs kein Problem, man braucht nur die entsprechende Webadresse und den Loginaccount.
Im Iran haben wir es allerdings erlebt, dass diese Webseite von staatlicher Seite gesperrt war. Um dennoch Emails empfangen und versenden zu koennen, hat es sich bewaehrt, auf einem USB-Stick ein fertig konfiguriertes Emailprogramm dabeizuhaben (siehe weiter unten 'Sicherheit und Vorsorge'). Darueber klappt es auch noch, wenn die Seite gesperrt ist. Wenn man das IMAP-Protokoll zum Abrufen nutzt, bleiben Webmail und lokale Mail auch synchron. 

Eine dumme Sache ist, dass man immer mal wieder lange Texte verliert, an denen man eine Weile geschrieben hat, weil beim Absenden der Email der Server nicht mehr erreichbar ist oder der Anwender schon wegen zu langer Untaetigkeit aus Sicherheitsgruenden abgemeldet wurde. Am besten sollte man sich angewoehnen, regelmaessig zwischenzuspeichern oder einfach den die Email vor dem Abschicken mit Ctrl-A markieren und vorsichtshalber mit Ctrl-C in die Zwischenablage kopieren. 

Wenn man ueber das Internetcafe Mails schreibt, wird es nicht ausbleiben, dass man im Laufe der Zeit mehr Spam als sonst im Postfach findet, eine Lieblingstaetigkeit von Viren ist das Adressensammeln fuer Spammer. Das laesst sich nicht vermeiden, die meisten Emaildienste z.B. GMX haben einen sehr verlaesslichen Spamfilter, der dann gute Dienste leistet. 

Sicherheit und Vorsorge:

Man muss davon ausgehen, dass jeder Computer in einem Internetcafe mit Viren verseucht ist. Es gibt aber ein paar Moeglichkeiten, das Risiko etwas einzuschraenken. Wenn man Internet Explorer oder Firefox verwendet, muss man unbedingt aufpassen, dass keine Passwoerter gespeichert werden (meist kommt neben anderen Meldungen eine entsprechende Nachfrage, die man nicht vorschnell wegklicken sollte). Normalerweise kann man auch ueber einen speziellen Menueintrag des Browsers alle privaten Daten nach dem Surfen in einem Rutsch loeschen lassen.

Sicherer ist die Verwendung des eigenen Browsers, mitgebracht auf einem USB-Stick. Eine USB-Schnittstelle hat heute jeder PC und in Zeiten von Digitalkameras, die in den Internetcafes oft per USB-Kabel angeschlossen werden, ist diese Schnittstelle meist auch problemlos nutzbar (ich frage immer vorher, zeige aber meine Digitalkamera, worauf mir wohlwollend zugenickt wird, und nutze dann stattdessen den Stick).

Normale Anwendungen sind nicht einfach vom USB-Stick startbar aber es gibt von einigen Anwendungen spezielle Versionen, die extra fuer den Stick gemacht sind unter PortableApps . Dort findet man den Firefox als Browser und den Thunderbird als Emailclient (damit ist die Emailabfrage auch noch moeglich, wenn die Webseite des Emaildienstes gesperrt ist). Weitere sinnvolle Anwendungen sind des Antivirenprogramm ClamWin und das Packprogramm  7-Zip. Mit dem Antivirenprogramm sollte man immer mal den eigenen Stick nach Viren scannen, da gibt es regelmaessig was zu finden Surprised. Man sollte, trotzdem die Anwendung auf dem Stick liegt, niemals Passwoerter dort abspeichern, auch der Stick kann abhanden kommen.
Homepage:

Kleiner Knirbs spielt schon am Computer
Wir trauten unseren Augen kaum, als wir diesen Knirbs entdeckten
Wenn man einen Reisebericht  von unterwegs schreiben will, dann braucht man erst einmal eine Webseite bei einem Provider, auf dessen Server die Seite liegt (gehostet wird) und damit weltweit abrufbar ist. Es ist nicht praktikabel direkt HTML-Seiten zu schreiben, die dann per FTP auf den Server geladen werden muessen, da ein FTP-Zugriff nicht aus jedem Internetcafe geht. Reiseberichte sollten ueber eine Weboberflaesche editierbar sein. Um das zu erreichen gibt es mehrere Moeglichkeiten:

  • Einbau eines Berichte-Skriptes in die eigene Homepage (so habe ich mein Australientagebuch geschrieben) - Einrichtung aufwendig, Nutzung einfach
  • Verwendung eines CMS (Content Management System) - Einrichtung aufwendig, Nutzung relativ einfach
  • Nutzung eines Internetdienstes, der vorgefertigte Seiten fuer Berichte anbietet (und dann meist Werbung mit einblendet) - fuer IT-Unerfahrene


Wir verwenden das CMS Joomla. Das hat sich als sehr flexibel erweisen und wenn man sich erst einmal mit dem Konzept angefreundet hat, ist es relativ einfach zu nutzen. Zu bedenken ist, dass man sich bei einem selbst verwalteten CMS auch um die Sicherheitsupdates kuemmern muss und das ist schwierig von unterwegs. Populaere Seiten werden gerne gehackt. Da muss bei uns auch noch einiges getan werden. Nutzt man einen Service, hat man das Problem nicht.


Bilder im Internet:

Das geht natuerlich am besten mit einer Digitalkamera. Ich habe eine relativ billige gekauft (150 Euro, Fujifilm FinePix A600), die sich aber als sehr gut erwiesen hat. Nun muss sie nur die Reise durchhalten. Am besten, man nimmt das USB-Kabel mit, so bekommt man sie an fast alle PC's angeschlossen. Zur Not geht auch der Ausbau der Speicherkarte aber dann muss ein entsprechender Kartenleser im Internetcafe vorhanden sein. Wir kopieren die neuen Bilder in Abstaenden auf den USB-Stick, auf dem man dann sehr schoen schnell arbeiten kann. Dort werden sie noch zurechtgeschnitten, verkleinert und geschaerft (in seltenen Faellen drehen wir auch noch am Kontrast und Gammawert) bevor wir sie dann in unsere Homepage einbauen. Die Bilderauswahl ist eine begehrte Aufgabe, wir streiten uns manchmal, wer das machen darf Wink. Auf alle Faelle sollte man die Bilder trotzdem hin und wieder mal auf eine CD brennen lassen (machen die Internetcafes in der Regel) und nach Hause schicken.

Chinesisches Internetcafe
Chinesisches Internetcafe mit ueber 200 Plaetzen

Besonderheiten einzelner Laender:

Tuerkei: Hier ist die Windows-Installation meist in tuerkischer Sprache, so dass man schnell nicht mehr weiter kommt, wenn man mehr machen will als eine Internetseite aufzurufen. Da hilft der USB-Stick mit den Programmen in englischer Sprache und die Programme vom Stick zu oeffnen schafft man auch ohne Tuerkisch. In der Tuerkei wird oft eine spezielle Oberflaeche fuer Windows verwendet, die alles ausser dem Browser und einem Chatprogramm sperrt, dann geht auch der Stick nicht mehr. Wenn man dann aber beim Personal die Digitalkamera zeigt, gibt es manchmal einen PC, der nicht so eingeschraenkt ist, an den man ran darf. Eine bloede Sache ist, dass bei tuerkischen Tastaturen der Buchstabe I auf einer anderen Taste liegt. Wir haben uns irgendwann umgewoehnt.

Iran: Hier ist die Windowsinstallation immer Englisch, was sehr angenehm ist. Ausserdem werden selten solche Sperrprogramme verwendet, die das Windows bis auf wenige Programme einschraenken. Ein  Problem ist, dass die Bandbreite der Internetcafes per staatlicher Verordnung auf 128 kBit beschraenkt ist, was extrem langsam ist. Zum Glueck halten sich viele Internetcafes nicht dran. Sollte man doch mal auf ein solches Internetcafe angewiesen sein, dann hilft nur, viele Browser parallel aufzumachen damit schon einiges im Hintergrund geladen werden kann, waehrend man anderes liest. Im Iran werden verschiedene Seiten geblockt , die wahrscheinlich der Regierung nicht genehme Inhalte beinhalten. Besonders schmerzlich hat uns das getroffen, als GMX fuer einige Zeit geblockt war (jetzt geht es wieder). Wir konnten aber ueber das Emailprogramm auf dem USB-Stick doch noch auf unsere Emails zugreifen.

Pakistan: Internetcafes sind auch hier in jeder grossen Stadt zu finden. Die Geschwindigkeit ist teilweise graussig. Leider laufen noch viele alte Computer unter Win98, teilweise noch mit dem IE5 - ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit. Abstuerze sind an der Tagesordnung mit diesem System und der USB-Stick laeuft auch nicht ohne zusaetzlichen Treiber. Ein weiteres Problem sind die haeufigen Stromausfaelle besonders im Westen des Landes. Da koennte man sich schon manchmal die Haare raufen, wenn wieder Schreibarbeit verloren geht. Aber hin und wieder findet man auch mal XP und ganz passable Geschwindigkeiten. Uebrigens werben alle Tankstellen von PSO (Pakistan State Oil) mit 'Internet Facility' - und davon gibt es viele am National Highway. Wir haben es einmal ausprobiert und wurden in einem feinen Buero an einen Computer gelassen, dazu gab es Tee. Ist also keine schlechte Sache um mal die Mails zu checken.

Indien: Hier sieht die Lage eigentlich gut aus. In den grossen Staedten und Touristenzentren gibt es schnelle Verbindungen, ansonsten per Modem. Oft sind USV im Einsatz, was sehr angenehm ist - auch in Indien faellt regelmaessig der Strom aus. Win98 trifft man selten an, meist XP. Besonders aergerlich ist es, wenn man ein Win98 erwischt mit IE5, damit arbeiten viele Internetseiten nicht mehr richtig.

Hotelzimmer mit Internet
China: Hotelzimmer mit Internet
Nepal: (Stand Mai 2007)  In den beiden Staedten Kathmandu und Pokhara ist die Situation ausgesprochen gut. In den entsprechenden Touristenvierteln gibt es jede Menge Internetcafes. In Kathmandu surft man normalerweise fuer 20 bis 30 Rupien (22 - 33 Cent) pro Stunde. In Pokhara haben sich die Internetcafes im Touristenviertel abgesprochen und bieten alle die Stunde fuer 99 Rupien (1.08 Cent) an. Fragt man nach, bekommt man zwar zu hoeren, dass der Preis ueberall in der Stadt gleich ist, aber schon ein paar Minuten ausserhalb des Touristenviertels gab es die Stunde schon wieder fuer 30 Rupien. In den Bergen gibt es auch vereinzelt Internet aber das ist dann sehr teuer. Auf unserer Wanderung auf dem Annapurna-Circuit konnten wir in Chame fuer 200 Rupien (2.22 Euro) pro 10 Minuten (!) noch surfen. In Manang waren es dann schon 300 Rupien (3.33 Euro) pro 10 Minuten. Sogar unterhalb des Passes in Thorang Pedi wurde noch mit Internet geworben, welches aber gerade nicht in Betrieb war. Auch auf der anderen Seite des Passes gibt es in einigen Orten Internet, wir haben es aber nicht weiter getestet.

China: (Stand Juli 2007) In China, dem Boomland schlechthin, sieht es wieder sehr gut aus mit Internet. Hier findet man in jeder mittelgrossen Stadt Internetcafes in ausufernder Groesse. Da sind teilweise hunderte Plaetze. Die Technik ist auch sehr gut und die Netze sehr schoen schnell. Natuerlich sind auch hier wieder die Hauptbelegschaft spielende Jugendliche. Als ich frueh mal zeitig auftauchte hingen einige eingeschlafen in den Sesseln. Internet ist sehr preiswert in China (20 - 40 Cent pro Stunde). Einige Seiten werden von der chinesischen Regierung geblockt aber uns hat das nicht weiter eingeschraenkt. In seltenen Faellen muss man seine Passnummer in eine Liste tragen, bevor man an das Internet kann. Auf den modernen Rechnern laeuft fast ausschliesslich Windows XP oder bereits Vista. Einmal hatten wir das seltene Glueck, ein Hotel zu finden, welches Zimmer mit Internet-PC anbot fuer nur 8 Euro das Doppelzimmer.

Letzte Aktualisierung ( Tuesday, 3. July 2007 )
 
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